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So kann Telemedizin Versorgungslücken schließen

10.10.2018

MEDICA HEALTH IT FORUM: So kann Telemedizin Versorgungslücken schließen

Der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt hat bereits den berufsrechtlichen Weg für die ausschließliche Fernbehandlung von Patienten geebnet. Zudem fordert das Gremium einen Rechtsanspruch für Versicherte auf die elektronische Patientenakte. Müssten daraus folgend nicht eine Vielzahl von Angeboten für Videosprechstunden „wie Pilze aus dem Boden sprießen“? Bislang sei dies nicht so, beobachtet Dr. Nikolaus Schumacher, Deputy Chairman amref flying doctors und CEO NAMBAYA GmbH: „Die neuen Möglichkeiten müssten bekannter gemacht werden“. Schumacher selbst wird die Gelegenheit nutzen beim diesjährigen MEDICA HEALTH IT FORUM im Rahmen der mit mehr als 5.000 Ausstellern weltgrößten Medizinmesse MEDICA, die dieses Jahr von Montag bis Donnerstag, 12. bis 15. November 2018, in Düsseldorf stattfindet.


MEDICA HEALTH IT FORUM: So kann Telemedizin Versorgungslücken schließen

Schumacher ist dann Chairman der Diskussionsrunde am Donnerstag, 15. November, mit dem Leitthema „Last mile health - helpful tech for rural areas“. Es geht um Versorgung in ländlichen Regionen weltweit und auch hierzulande. In Deutschland ist zwar Baden-Württemberg mit Projekten zur ausschließlichen Fernbetreuung von sieben Anbietern (Stand Juni 2018: TeleClinic, Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg, Justizministerium Baden-Württemberg, KRY, Minxli und DrEd) ein Vorreiter, doch auch im Flächenland Schleswig-Holstein soll Telemedizin eingesetzt werden. Hier wurden kürzlich Fernbehandlungsoptionen auch außerhalb von Modellprojekten zugelassen. Dr. Monika Schliffke, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, wirbt damit, einen ärztlichen Telefondienst mit der Option einer Videosprechstunde einzuführen, der an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr verfügbar ist – und der helfen soll, die Notaufnahme der Krankenhäuser zu entlasten. Ebenfalls in diesem Sinne ist die Funktion einer „Notfall-App“ gedacht. Sicher ist: Wenngleich die telemedizinische Sprechstunde in Deutschland bislang kaum von niedergelassenen Ärzten angeboten wird, so gibt es doch große, mit der Technologie verknüpfte Hoffnungen.

Für Schumacher bieten diese für den Arzt den Vorteil schneller an wichtige Daten zu kommen. Künftig könnten zum Beispiel die Kardio- oder die Schlaf-Diagnostik mit Daten aus dem Alltag des Patienten vielfach sehr viel günstiger werden, als sie es derzeit ist. Durch einen Abgleich mit einer passenden Datenbank können hier Auffälligkeiten rund um die Uhr an sieben Tage der Woche festgestellt werden. „Und die Technologie kennt keinen schlechten Tag“, verdeutlicht Schumacher. Problematisch seien aus seiner Sicht jedoch Anwendungen, die ständig Patienten überwachten. Zum einen gebe es oft Fehlalarme und zum anderen müssten Ressourcen weiterhin für den echten medizinischen Notfall aufgebaut bzw. erhalten bleiben.

Europa kann vieles von Afrika lernen
Telemedizin würde sich insgesamt dafür eignen, Ressourcen besser einzusetzen. „Der Bildschirm ist etwas anderes als ein Telefon“, so Schumacher. Am Telefon seien die Menschen undisziplinierter, berichtet er aus seinen Erfahrungen bei flying doctors in Afrika und Australien: „Wir führen statt Telefon- nur noch Videosprechstunden. Das ist effizienter.“ Dies müsse auch in Deutschland ein wichtiger Bestandteil des ärztlichen Alltags werden – zum Beispiel für das Ausstellen einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Das sei auch problemlos per Videosprechstunde machbar. Schumacher glaubt ferner, dass Europa in Bezug auf die Telemedizin vieles sogar von Afrika lernen könne.

In Afrika engagiert sich beispielsweise Merck. Aus ehemaligen Containern zur Vergabe von Arzneimitteln werden in Kenia Gesundheitszentren, die auch Versicherungen anbieten. Dazu gehört die Ausbildung von Gemeindeschwestern, die die Menschen vor Ort betreuen und die telemedizinisch unterstützt werden. Boris A. Hesser, Ph. D., Head of Integrated Healthcare Services, wird beim MEDICA HEALTH IT FORUM das Vorhaben erläutern, das durchaus profitabel werden könnte.

Vitaphone setzt dagegen auf den deutschen Markt. Mit den Lösungen der Firma soll nichtärztliches Personal beurteilen können, in welchen Fällen tatsächlich ein Arzt hinzuziehen ist. Per `TeleArzt´ kann die Arztkonsultation bei Bedarf binnen Minuten eingeleitet werden. Dem Arzt liegen dann die beim Patienten generierten Daten bereits vor. Dr. Thomas Zenk, Geschäftsführer der vitaphone GmbH, wird die Lösungen zur Diskussion in Düsseldorf stellen.

Elektronische Gesundheitsakten in Patientenhand
Auch die elektronische Gesundheitsakte hat das Potenzial, die Versorgung der Versicherten zu verbessern. Somit wagt das MEDICA HEALTH IT FORUM auch in diesem Falle einen Blick voraus – wobei das, was Pflicht wird, bereits heute umgesetzt wird und sogar einen eigenen Markt hat: „Wir sehen eine große Dynamik“, schildert auch Ingo Horak, Chief Market Access Officer at Vivy. Er moderiert die Diskussion am Montag (12.11.) ab 13 Uhr, die der Frage nachgeht: „Geht die digitale Revolution im Gesundheitswesen vom Patienten aus?“

Patientenzentrierte Gesundheitsakten auf dem Smartphone im Wettbewerb der Krankenkassen könnten dabei über das Potential verfügen, der Digitalisierung zum Durchbruch zu verhelfen. Vivy bietet eine intuitiv zu bedienende elektronische Gesundheitsakte, die aus jedem Smartphone einen Ort macht, an dem alle relevanten medizinischen Unterlagen gesammelt werden können. Dank sicherer Verschlüsselung passiert die Übertragung nach den höchsten Standards beim Datenschutz und verfügt über Zertifizierung wie beispielsweise als Medzinprodukt CE oder TÜV-Zertifizierung, sodass sämtliche sensiblen Informationen ausschließlich für den Nutzer selbst einsehbar sind. Partner von Vivy sind bereits jetzt private Krankenversicherungen wie die Allianz und gesetzliche Krankenkassen wie die DAK oder IKK Classic. Klar ist: „In Deutschland gibt es bereits Plattformen, die von den Krankenkassen getrieben sind“, meint Horak. Dazu zählen die elektronischen Gesundheitsakten von AOK sowie TK, die zusammen mit Vivy einen großen Teil des Marktes abdecken. Der Markt wird also in Deutschland künftig stark von kassenfinanzierten Gesundheitsakten bestimmt. Jetzt gehe es darum, welche Plattform sich bei den Nutzern, den Patienten durchsetze und wo sich welche Krankenkasse engagiere.

„Der Patient muss Herr seiner Daten bleiben“
Bei allem Wettbewerb sei laut Horak jedoch sicherzustellen: „Der Patient muss Herr seiner Daten bleiben. Er muss die Freiheit haben, bei einem Versicherungswechsel die Daten von einer Akte in die andere verlustfrei zu transferieren.“ Wichtig sei auch die Anbindung der Patientenakten an die ‘Datenautobahn im Gesundheitssystem’, die Telematikinfrastruktur. „Hier wird man auf die regulatorischen Vorgaben zu achten und eine Zertifizierung durch die Gematik umzusetzen haben “, erklärt Horak. Wird der Referentenentwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes umgesetzt, dann müssen Krankenkassen ihren Versicherten spätestens ab 2021 eine elektronische Patientenakte (ePA) zur Verfügung stellen und sie darüber informieren. Der Zugriff auf medizinische Daten der ePA soll auch mittels Smartphone oder Tablet ermöglicht werden, wobei die Einwilligung des Versicherten in die Nutzung der medizinischen Anwendungen - unter Beachtung des Datenschutzes - vereinfacht werden soll.

Beim MEDICA HEALTH IT FORUM wird diese Diskussion also sehr aktuell sein. Auch weitere Schnittstellen beispielsweise zu KV Connect oder in Arztinformationssysteme wie medatixx sind bedeutsam, um entsprechende Daten mit Patienten austauschen zu können. Dabei laufen die Entwicklungen aufeinander zu. Auf der einen Seite bringt die Datenautobahn Ärzten, Kliniken und Apotheken einen schnellen und sicheren Datentransfer. Zudem bieten Krankenkassen und Krankenversicherungen ihre Patienten Lösungen an. Der Mehrwert der Vernetzung für Patienten, Leistungserbringer und Krankenkassen ist aus Sicht von Horak klar – und nun scheint auch der Wille der Politik vorhanden: „Diese Entwicklung bekommt eine Dynamik, die wir vom Gesundheitswesen bislang so nicht kennen.“ Umso spannender wird das diesjährige Symposium im Rahmen beim MEDICA HEALTH IT FORUM.

Das Smart Hospital als patientenzentrierte Leitidee
Solche Technologien nähren Hoffnungen und Befürchtungen. Eine Diskussionsrunde des Forums zu Smart Hospitals läuft unter dem Titel „from Deep Learning to Robotic Process Automation“. Prof. Stefan Heinemann, Universitätsmedizin Essen Smart Hospital, Ethik/FOM Hochschule, wird insbesondere das Engagement der Universitätsmedizin Essen schildern, wo das „Smart Hospital“ als patientenzentrierte Leitidee ernst genommen wird. „Ein bisschen Smart hier und da ist zu wenig, man muss es ganzheitlich angehen, aber auch die Realitäten im Krankenhausbetrieb und der Medizin selbst im Blick behalten“, fügt er hinzu. Aber man dürfe nicht in Euphorie verfallen. Etablierte Strukturen seien gerade in der institutionellen Medizin nicht mal eben zu verändern, von den politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen ganz zu schweigen. „Aber eins ist meines Erachtens ganz deutlich: Wenn die Krankenhäuser es nicht selber gestalten werden es andere Marktteilnehmer tun, ob man diese oft globalen Entwicklungen nun begrüßt oder nicht.“

Aus Sicht von Heinemann werde die Patientensouveränität auf dem Umweg über ihre Kundeneigenschaft gestärkt: „In Zukunft können Patienten nicht nur Datenspender, sondern auch Datenselbstzahler sein. Ihre Daten sind eine Währung - ohne dabei ihre Souveränität oder gar reale Nachteile zu riskieren. Der Patient ist Souverän seiner Daten und dazu braucht es entsprechende Aufklärung. Und Sicherheit vor Datenkriminalität aber auch vor systembedingten Nachteilen – niemand will einen Patienten-SCHUFA – muss priorisiert werden. Aber ohne dass Datenschutz ein Risiko für Kranke wird.“ Die Kompetenz der Ärzte und Pflegenden werde aber nicht in Frage gestellt. Ganz im Gegenteil, so Heinemann: „Nur mit medizinischer Expertise abgesichert kann es gehen. Nicht das Zuviel an Künstlicher Intelligenz ist das Problem, die Förderung natürlicher Intelligenz muss unser Fokus sein. Einen Wettbewerb um gleichsam maschinell wiederholbare Tätigkeiten und Massenberechnungen braucht man mit keiner Software zu führen, aber Empathie und Ethik als USP auszubauen.“ Der Outcome im Sinne der Patienten sei das Ziel der Wertschöpfungskette. „Es wird zudem neue Berufsfelder an den Schnittstellen Medizin und Digitalisierung geben, die neue Möglichkeiten für Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge rund um das Smart Hospital als Vertrauensinstitution eröffnen werden - und dadurch neue Karrierewege im Smart Hospital, also auch Wertschätzungsketten“, schildert Heinemann. Einen Teil der Lösungen wird ebenfalls beim MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM diskutiert, und zwar am Dienstag, 13. November, 11 - 13 Uhr. Dort geht es dann um Künstliche Intelligenz, Big Data und IoT.



Bild & Text: medica.de

 

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