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Mattes: „Driving tomorrow“

25.09.2018

Mattes: „Driving tomorrow“ steht für den Aufbruch der gesamten Nutzfahrzeugbranche

67. IAA Nutzfahrzeuge von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer feierlich eröffnet – 600 hochrangige Gäste – Leitmesse für Transport, Logistik und Mobilität mit mehr Weltpremieren, mehr Ausstellern, mehr Fläche

Nachdem sich bereits bis zum Pressetag (19.09.2018) mehr als 2.000 Journalisten aus 54 Ländern akkreditiert haben, fand am Donnerstag die Eröffnungsfeier der 67. IAA Nutzfahrzeuge im Convention Center der Messe Hannover statt. Vor rund 600 hochrangigen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft eröffnete Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, die weltweit wichtigste Leitmesse für Transport, Mobilität und Logistik. Zudem sprachen Dr. Bernd Althusmann, stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung des Landes Niedersachsen, sowie Carlton Rose, President of Global Fleet Maintenance & Engineering von UPS. Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), betonte in seiner Rede die hohe Innovationskraft der Branche.


Mattes: „Driving tomorrow“ steht für den Aufbruch der gesamten Nutzfahrzeugbranche

Nachfolgend die Rede im Wortlaut.

Statement von Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), anlässlich der Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge am 20.09.2018 in Hannover

„Sehr geehrte Gäste aus Politik und Wirtschaft,
liebe Freunde der Industrie,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

Ihnen allen ein ganz herzliches Willkommen! ‚Driving tomorrow‘ das ist das Motto, das uns alle vereint: Treiber sein! Zukunft gestalten! Chancen nutzen! Innovativ sein!

Die Nutzfahrzeug-Gemeinde und ihre Kunden strotzen vor Tatendrang. Wir haben viele technologische Ideen und Vorstellungen, die wir miteinander teilen wollen. Deshalb sind wir hier. Wir wollen miteinander diskutieren. Wir wollen uns vernetzen.

Als weltweit größter Treffpunkt der Branche ist die IAA – bildlich gesprochen – eine riesige Kaffeebar. Hier trifft man sich. Hier findet der Austausch statt. 2.174 Aussteller aus rund 50 Ländern sind hier in Hannover zusammengekommen. Mehr Aussteller als beim letzten Mal. Eine wirklich großartige Resonanz aus der ganzen Welt. Über 280.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind ein neuer Rekord für die IAA Nutzfahrzeuge.

Das Themenspektrum ist so breit wie nie zuvor. Digitalisierung, Vernetzung, automatisiertes Fahren, Elektromobilität, alternative Antriebe und urbane Logistik – das sind unsere Kernfelder. Aber die Kaffeebar soll keinen falschen Eindruck wecken. Auf der IAA wird nicht nur diskutiert, sondern vor allem geliefert.

Keine andere Messe bietet so viele Neuheiten: Die Zahl der Weltpremieren ist um gut 30 Prozent auf 435 gestiegen. Das ist ebenfalls neuer Bestwert und unterstreicht: Die IAA ist die weltweit wichtigste Innovationsbühne für die gesamte Logistikkette: ‚Driving tomorrow‘!

Wer sich auf dem Messegelände umsieht, der erkennt sofort: Die gesamte Nutzfahrzeugindustrie ist im Aufbruch. Ob Hersteller von Lkw, Transportern oder Bussen, ob Hersteller von Anhängern und Aufbauten oder die vielen hoch spezialisierten Zulieferer, ob Start-ups oder neue Service-Anbieter: Sie alle gehen neue Wege, um den Transport der Zukunft zu gestalten. Liebe Aussteller, Ihnen allen ein besonderes Dankeschön für Ihr Kommen!

Die Automobilindustrie steht für 40 Prozent aller Patentanmeldungen aus Deutschland. Sie ist hierzulande die innovativste aller Branchen – mit Abstand. Zugleich bewältigt der Lkw über 70 Prozent der Güterverkehrsleistung in Europa. Damit schultert er eine große Verantwortung. Wachsende Güterströme, blühender Online-Handel und steigende Kundenansprüche sind das EINE. Der Kunde steht klar im Mittelpunkt.

Doch all diese Anforderungen dürfen nicht zulasten von Klima, Umwelt oder Sicherheit gehen. Das ist das Andere. Das ist unsere Mission. Maßgeschneiderte Lösungen sind gefragt. Und hier kann das flexible Nutzfahrzeug seine Stärken voll ausspielen. Es ist und bleibt der unverzichtbare Lastenträger unseres Wohlstands.

Digitale Lösungen stehen vielerorts im Fokus der Forschungs- und Entwicklungslabore. Transport, Mobilität, Logistik – die Digitalisierung hat viele Ansatzpunkte. Die Vernetzung hilft, jeden Kubikmeter Frachtraum noch besser zu nutzen – Stichwort: Flottenmanagement- und Logistiktools. Die Vernetzung hilft, die Kosteneffizienz weiter zu steigern – Stichwort: frühzeitige Wartungsmeldung. Die Vernetzung hilft, den Verbrauch weiter zu optimieren – Stichwort: Platooning. Die Vernetzung hilft, Staus erst gar nicht entstehen zu lassen – Stichwort: intelligentes Verkehrsmanagement. Die Vernetzung hilft, die Effizienz im Stadtverkehr weiter zu verbessern – Stichwort: intelligente Parkraumsuche. Die Automatisierung hilft, den Straßenverkehr noch sicherer zu machen – Stichworte: Notbremsassistent und Abbiegeassistent.

Die Fahrzeuge werden immer vorausschauender, sie werden immer intelligenter. Datenschutz und Datensicherheit haben dabei stets den höchsten Stellenwert.

Allein die deutsche Automobilindustrie investiert rund 18 Milliarden Euro in den nächsten drei Jahren in das automatisierte Fahren – natürlich die Hersteller, ebenso ihre Lieferanten. Ohne Zulieferer und ihre Innovationen geht gar nichts. Das alles zielt auf die Mobilität der Zukunft. Viele dieser Zukunftsthemen bündeln wir auf der IAA in der New Mobility World: ‘Driving tomorrow’!

Die Mobilität der Zukunft bewältigen wir aber nur gemeinsam mit der Politik. Schon um die digitalen Potenziale auf der Straße nutzen zu können, ist ein flächendeckendes und stabiles Mobilfunknetz entlang aller Verkehrswege nötig. Es ist gut, dass sich die Politik zu dieser Aufgabe bekennt.

Sehr geehrter Herr Bundesminister,
wir freuen uns, Sie heute hier in Hannover begrüßen zu dürfen. Sie wissen um die Bedeutung von Transport und Logistik. Sie haben ein Herz fürs Nutzfahrzeug. Und wir wissen Sie an der Seite dieser Industrie – weil es auch Ihnen darum geht, die Mobilität der Zukunft zu gestalten und die verkehrspolitischen Anforderungen zu meistern. Herzlich Willkommen und vielen Dank, dass Sie hier sind, um diese IAA Nutzfahrzeuge zu eröffnen.

Und wir freuen uns auch, dass Sie, sehr geehrter Herr Minister Althusmann,
für das Gastgeberland Niedersachsen heute bei uns sind. Sie haben vor einem Monat den ‚Masterplan Digitalisierung‘ für ihr Bundesland präsentiert. Auch Sie wollen die Zukunft bewegen. Deshalb begrüßen wir mit Ihnen einen wichtigen Partner der Nutzfahrzeugbranche, die ja hier in Niedersachsen für viele, viele Arbeitsplätze steht.

Meine Damen und Herren,
die Mobilität der Zukunft ist vernetzt und automatisiert. Und wir alle wollen, dass der Straßenverkehr noch umwelt- und klimafreundlicher wird. Wir alle wollen, dass auch unsere Kinder und Enkel in einer lebenswerten Welt aufwachsen. Sie, die Politik, gibt deshalb ambitionierte Ziele vor und setzt Anreize. Wir, die Unternehmen, liefern Lösungen. Wir leisten unseren Beitrag.

Weniger Verbrauch, weniger CO2, weniger Schadstoffe, weniger Lärm – gerade die urbanen Ballungsräume werden immer mehr von den Innovationen profitieren. Smart cities versprechen Bürgern einen Gewinn an Lebensqualität. Der leichte Verteilerverkehr und die Last-Mile-Logistik – sie sind wie geschaffen für die Elektromobilität. Täglicher Einsatz, kurze Wege, feste Routen – das ideale Spielfeld für effiziente, lokal emissionsfreie, fast lautlose Transporter mit E-Motor. Diese gehen jetzt in Serie – ein Quantensprung.

Gleiches gilt für die Stadtbusse. Auch hier erleben wir aktuell einen spannenden Markttrend. Denken Sie darüber hinaus an Behördenfahrzeuge, die Müllabfuhr, den Winterdienst, den Straßenbau, an Pflegdienste und an Handwerker. Alternative Antriebe – auch der Hybrid – bieten hier ideale Lösungen.

Eines ist aber auch klar: Elektromobilität bietet nicht für jeden Einsatzzweck die beste Wahl. Dafür sind die Anforderungen zu unterschiedlich. Denken Sie nur an den schweren Langstreckenverkehr. Daher bleibt auch der herkömmliche umweltfreundliche Antrieb so wichtig. Darum treiben wir die Effizienz von modernen Dieselmotoren weiter voran.

Mit der Euro VI-Norm sind die Stickoxid-Emissionen nochmals um 80 Prozent gesunken. Unabhängige Studien bestätigen, dass schwere Lkw und Busse mit Euro VI den gesetzlichen Grenzwert auch im Straßentest deutlich unterschreiten.

Dies zeigt: Moderne Diesel-Fahrzeuge sind sauber. Sie können einen wichtigen Beitrag leisten, um die EU-Vorgaben für die Luftqualität einzuhalten. Eine rasche Erneuerung der Fahrzeugflotte ist hierzu der Schlüssel. Auch der Diesel ist ein wichtiger Bestandteil von ‚Driving tomorrow‘! Darüber hinaus erforschen wir CO2-neutrale Kraftstoffe, die so genannten E-Fuels. Ihr besonderer Vorteil: Sie wirken im Bestand. Erdgas ist ebenfalls eine umweltfreundliche Antriebsart, gerade für Nutzfahrzeuge.

Aus klimapolitischer Sicht haben wir bereits erhebliche Fortschritte erzielt. Seit dem Jahr 2000 sind die CO2-Emissionen pro Tonnenkilometer um 35 Prozent zurückgegangen. Auch der Lang-Lkw ist eine Erfolgsgeschichte, bei der Trailer- und Truckhersteller an einem Strang gezogen haben. Zudem zeigt diese IAA die Potenziale, die wir gemeinsam erschließen müssen, für noch mehr Effizienz. Aerodynamische Optimierung, Leichtbau, GPS-Tempomat oder Abwärme-Nutzung sind hier wichtige Stichworte.

Unter dem Strich steht fest: Die Nutzfahrzeugindustrie leistet einen wesentlichen Beitrag, um die Emissionen kontinuierlich zu senken. Entsprechend unterstützen wir auch eine realistische CO2-Regulierung als Level Playing Field. Allerdings gilt es zu bedenken: Der Nutzfahrzeugmarkt unterliegt eigenen Bedingungen. Die Entwicklungszeiten, Motor- und Modellzyklen sind deutlich länger als beim Pkw. Außerdem haben Nutzfahrzeuge eine Vielzahl von unterschiedlichen Aufbauten, mit jeweils anderen CO2-Emissionswirkungen. Kaum ein Lkw läuft so vom Band, wie er anschließend auf der Straße in den Einsatz geht.

Daher appellieren wir an die Gesetzgeber: Überspannt den Bogen nicht bei der CO2-Regulierung, die aktuell in Brüssel verhandelt wird. Das betrifft zum einen die leichten Nutzfahrzeuge, die zusammen mit den Pkw reguliert werden. Es betrifft aber auch die schweren Nutzfahrzeuge. Hier bewegt sich Brüssel auf Neuland. Noch gibt es keine Vergleichswerte, keine belastbare Basis. Es mag naheliegend klingen, die vorgeschlagenen CO2-Reduktionsraten aus dem Pkw-Bereich unverändert auf die völlig anderen Sektoren der leichten Nutzfahrzeuge und der schweren Lkw zu übertragen. Dabei bleiben jedoch wichtige Besonderheiten außen vor. Entscheidende Potenziale bleiben ungenutzt.

Daher unser Petitum: Lassen Sie uns technologieoffen nach den besten Lösungen suchen – und diese entschlossen umsetzen. Realistische Grenzwerte und passgenaue Anreize sind hierfür der beste Weg.

Meine Damen und Herren,
lassen Sie mich abschließend auf ein Thema eingehen, das uns alle bewegt: Die Architektur des globalen Handels ist in den vergangenen Monaten ins Wanken geraten. Wir alle wissen: Protektionismus kann nicht die Lösung sein, um den Wohlstand zu mehren. Im Gegenteil: Neue Handelsbarrieren sind eine große Gefahr – für die internationalen Lieferketten und für die damit verbundene Wertschöpfung.

Integrierte und grenzüberschreitende Warenströme sind ein hohes Gut, für deren Erhalt und Sicherung wir uns mehr einsetzen müssen, Wirtschaft und Politik. Daher zum Schluss meine Bitte an Sie alle hier im Saal: Lassen Sie uns die Reihen schließen – und gemeinsam unser Möglichstes tun, um für freien Warenverkehr und fairen Welthandeln zu werben.“



Bild & Text: messe-stuttgart.de/amb

 

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