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Strategische Herausforderungen

29.09.2016

Strategische Herausforderungen, technologische Lösungen

Auf der MS&D trafen sich Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung mit Delegationen von Marinen und Küstenwachen zum Meinungsaustausch. Der Tenor: Die immer vielfältigeren Aufgaben der Seestreitkräfte erfordern äußerst flexibel einsetzbares Material.

“The best ships in a navy are the partnerships.“ Mit diesem Bonmot eröffnete Vizeadmiral Rainer Brinkmann, stellvertretender Inspekteur der Deutschen Marine und Befehlshaber der Flotte, die diesjährige Konferenz Maritime Security & Defence (MS&D), die am 7. September 2016 im Rahmen der SMM stattfand. Internationale Experten von Schiffbauunternehmen und Werften sowie hochrangige Delegationen von Küstenwachen und Marinen aus aller Welt waren Anfang September nach Hamburg gekommen, um über die vielfältigen neuen Einsatzfelder zu diskutieren – und über die innovativen Schiffe, die dafür benötigt werden.

Strategische Herausforderungen, technologische Lösungen

Brinkmann skizzierte in seiner Key Note die weltpolitische Lage und ihre unmittelbaren Folgen für die Seestreitkräfte: „Ein Großteil der Konflikte hat eine maritime Komponente“, sagte der Vizeadmiral und warnte vor einem falschen Gefühl der Sicherheit. Zu den asymmetrischen Bedrohungen der jüngsten Vergangenheit durch Terroristen oder Piraten kämen ganz klassische militärische Szenarien wie etwa der Ukraine-Konflikt oder die zunehmend expansive Orientierung Chinas.

Sicherung von Handelswegen, Kampf gegen Schmuggel von Waffen, Drogen und Menschen, Rettung von Flüchtlingen, Schutz von Häfen: Im Panel „Naval Operations“ berichteten Experten über aktuelle Herausforderungen: Michael Howlett, Deputy Director International Maritime Bureau ICC Commercial Crime Services, erläuterte die regionale Verlagerung der Piraterie-„Hotspots“. Ana Cristina Jorge von Frontex schilderte die doppelte Belastung der Einsatzkräfte durch Grenzschutz und Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Kapitän zur See Ludwig Martin Moog Herrera, Marineattaché an der Botschaft von Kolumbien in Berlin, beschrieb die Herausforderungen beim Kampf gegen Drogenhandel und Terrorismus vor der Küste des südamerikanischen Landes.

Die Aufgaben wachsen. In Zeiten schrumpfender Budgets kommt es auf Flexibilität an, auf innovative Lösungen der Industrie – und auch auf Arbeitsteilung mit Verbündeten. Partnerschaft war auch eines der Schlüsselwörter dieser MS&D: So ging es beim Vortrag von Fregattenkapitän Matthias Elvert, Dezernatsleiter Weiterentwicklung Seekrieg im deutschen Marinekommando, um die länderübergreifende Zusammenarbeit in der Ostsee. Den Blickwinkel anderer Kontinente brachten Samuel Kame-Domguia von der Kommission der Afrikanischen Union („2050 Africa’s Integrated Maritime Strategy“) und Vizeadmiral a. D. Pradeep Chauhan ein, der die Rolle der Indischen Marine in ihrem Wirkungsfeld beleuchtete.

Begrenzte Budgets
Wie entwickelt sich der Markt der „grauen“ Schiffe? Das weiß kaum einer besser als Bob Nugent vom Beratungsunternehmen AMI International. Der Verteidigungsanalyst hatte bemerkenswerte Daten parat: So ist die weltweite Zahl von Marineschiffen in den letzten zehn Jahren um knapp ein Viertel auf rund 12.800 zurückgegangen. Bis 2035 erwartet der amerikanische Experte aber Investitionen im Volumen von 945 Milliarden US-Dollar – fast ein Drittel davon werde auf U-Boote entfallen. Gefragt seien außerdem „hybride“ Plattformen, die für unterschiedliche Missionen geeignet seien.

Eine davon stellte Detlef Schlichting, Sales Director bei Fr. Lürssen und Sponsor der MS&D Konferenz, vor: Offshore Patrol Vessels seien dank flexibler Ausrüstungsmodule eine besonders kosteneffektive Lösung, um diverse Einsatzprofile abzudecken.

Die Bedeutung von Budget- und Termintreue bei der Erfüllung von Marine- Aufträgen hob Susanne Wiegand, Geschäftsführerin des Werftenverbunds German Naval Yards, hervor. Das Unternehmen hat in Kooperation mit ThyssenKrupp Marine Systems in nur rund zweijähriger Bauzeit zwei Fregatten für die algerische Marine fertiggestellt.

Vitale Funktionen
Auch der menschliche Faktor spielt bei Marine und Küstenwache eine große Rolle: Daran erinnerte Commander Nico Vasseur. Der NATO-Minenräumexperte würdigte in seinem Vortrag die technologischen Fortschritte bei unbemannten Fahrzeugen zur Minensuche. Oft sei man aber noch auf das Know-how der exzellent ausgebildeten Taucher angewiesen. Schwerer Seegang macht auch Angehörigen von Marinen und Küstenwachen zu schaffen, berichtete Thomas Haake, Sales Director Navy bei Abeking & Rasmussen. Deutlich länger in der „Komfortzone“ seien sie an Bord von Schiffen mit Swath-Technologie, deren punktuell aufliegender Doppelrumpf die Stabilität bei geringer Schiffsgröße enorm verbessert – und damit auch die Handlungsfähigkeit der Crew.

Moderne Marineschiffe sind echte High-Tech-Wunderwerke – und entsprechend anfällig für Cyber-Attacken. „Sie verfügen über unterschiedliche Systeme mit unterschiedlichen Sicherheitslevels – aber die Systeme sind vernetzt“, warnte Dietmar Hilke, Director Cyber Security bei Thales Deutschland. Die Waffensysteme seien in der Regel gut abgeschirmt, angreifbar seien aber Navigations- und Antriebstechnik. Würden diese vitalen Funktionen lahmgelegt, sei das Schiff innerhalb kürzester Zeit kampfunfähig.

Breites Spektrum
Umweltfreundlichere Motoren für Marineschiffe, strukturierte Planung von Schiffbauprojekten, einheitliche Standards für Marineschiffe („Naval Ship Code“) – weitere Themen rundeten das breite Spektrum der diesjährigen Konferenz für Maritime Sicherheit und Verteidigung ab. „Die MS&D ist die einzige Konferenz dieser Art in Deutschland. Wir würden uns freuen, wenn das Veranstaltungskonzept in Zukunft noch weiter ausgebaut wird“, sagte Jörg Ahrens, Sales Director Middle East bei der Lürssen-Werft.

Der Zuspruch der Branche ist bereits enorm: Mit Teilnehmern aus 29 Ländern habe sich die MS&D mittlerweile zu einer „wirklich internationalen Konferenz“ entwickelt, so Jan Wiedemann vom Fachmagazin NAVAL FORCES, das als Mitveranstalter auftrat.



Text & Bild: smm-hamburg.com

 

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