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Offshore Dialogue: Innovativ durch Krise

29.09.2016

Offshore Dialogue: Innovativ durch Krise

Was ist technisch machbar? Was sind die Zukunftstrends? Beim vierten Offshore-Dialogue im Rahmen der maritimen Weltleitmesse SMM erläuterten Experten die aktuellen Entwicklungen in der Offshore-Industrie.

Der Ölpreisverfall hat die Offshore-Industrie hart getroffen, vor allem den Öl- und Gas-Sektor. David Foxwell, langjähriger Herausgeber der Fachmagazine Offshore Support Journal und Offshore Wind Journal sowie Moderator des 4. Offshore Dialogue, sprach sogar von der „schlimmsten Krise seit 20 Jahren“. Ganz klar: Die Branche steht unter immensem Druck. Entsprechend zogen sich die Themen Einsparpotenzial, Effizienzsteigerung und Produktinnovationen wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung am 8. September 2016, die vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wurde.

Offshore Dialogue

Geballte Fachkompetenz
Uwe Beckmeyer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und maritimer Koordinator der Bundesregierung, betonte die Bedeutung der Offshore-Windenergie als Schlüsseltechnologie der Zukunft. Der Bund will die Offshore-Stromerzeugungskapazität bis zum Jahr 2030 auf 15 Gigawatt erhöhen. Beckmeyer versprach außerdem eine bessere Anbindung ans Stromnetz.

Mit dem Thema Onshore-Anbindung startete auch das erste Themen-Panel „subsea technology“. Alex Gauntt und Jan Holtermann von Siem Offshore Contractors erläuterten die komplexen Anforderungen an Wartung und Betrieb von Offshore-Anlagen. Dank ausgeklügelter Logistik und einer Spezialschiff- Flotte sind die Experten des Leeraner Unternehmens etwa nach einem Kabelschaden auf hoher See innerhalb kürzester Zeit zur Stelle.

Basil Zweifel, Vice President und Head of Sales & Contracts Oil & Gas Upstream bei MAN, präsentierte den weltweit ersten Unterwasser-Gaskompressor. „Mit der neu entwickelten Technik lassen sich die Fördermengen von Gas- und Ölreservoirs deutlich steigern“, so Zweifel.

Gleich eine Reihe von Innovationen stecken im Carbon-Fiber-Kran „LFR Twin 2500“ – einer Konzeptstudie von MacGregor. Kohlefaser-Bauweise, kompakte Konstruktion, Verzicht auf Führerkabine: Der Hightech-Kran lässt sich so laut Baard Alsaker, Vice President R & D and Technology bei MacGregor, auch auf kleineren Schiffen einsetzen.

Ferngesteuert in die Zukunft geht es bei ROVOP, einem britischen Service- Anbieter für remotely operated vehicles. Die Unterwasser-Arbeitsbienen werden zu Wartungsarbeiten an Offshore-Anlagen eingesetzt. Der Trend geht laut Business Development Director Moray Melhuish zu noch kleineren und leistungsfähigeren Geräten. Offshore-Know-how ist auch bei Seabed Mining- Projekten gefragt. Die Gewinnung von Bodenschätzen aus dem Meeresgrund werde in Zeiten knapper werdender Ressourcen an Bedeutung zunehmen, so Laurens de Jonge, Manager Design and Estimation for Mining von Royal IHC, einem Spezialisten für Unterwasser-Explorationen.

Mittelpunkt Mensch
Die Tätigkeit auf einer Offshore-Plattform ist hart und mitunter gefährlich. Umso wichtiger ist es, das Arbeitsumfeld auf hoher See so sicher und komfortabel wie möglich zu gestalten. Im zweiten Panel „health, safety & environment“, erfuhren die Teilnehmer, welche Fortschritte die Branche hier bereits gemacht hat. Seit Jahren optimiert der niederländische Schiffbauer Damen das Design seiner Offshore-Arbeitsschiffe. Neueste Entwicklung: ein schwingungskompensierendes Gangway-System. Es ermöglicht ein sicheres Betreten der Plattform auch bei schwierigen Wetterbedingungen. Im Vergleich zum gängigen Transfer per Helikopter ist das nicht nur sicherer, sondern auch effizienter und günstiger, rechnete Peter Robert, Manager Business Development & Market Intelligence bei Damen, vor. Dank moderner Spezialschiffe lassen sich Offshore- Projekte auch in den Wintermonaten vorantreiben, berichtete Kerrie Forster, Deputy Operations Manager und Fleet Safety Officer von Acta Marine Wind Services. Die niederländische Reederei ist federführend beim Aufbau von „Gemini“, einem der weltweit größten Offshore-Wind-Projekte mit einer Kapazität von 600 MW.

Rune Tvedt, Gründungspartner von ONP Management, stellte das „Nordseehotel“-Konzept vor. Die komplett ausgestattete Offshore-Plattform der Zukunft soll die Arbeits- und Lebensqualität auf hoher See erhöhen und so auch die Motivation der Mitarbeiter steigern. Beim norwegischen Beratungsunternehmen FORCE Technology kann man sich an einem Simulator auf seinen Offshore-Einsatz vorbereiten. Michael Macdonald Arnskov, Sales Manager Simulation, Training & Ports bei FORCE erklärte, was durch Computer- Simulation aktuell möglich ist – etwa Fahrten in virtueller Umgebung – und wo die Technologie derzeit noch an ihre Grenzen stößt.

Offshore, aber online
Im dritten Panel „digitalisation offshore 4.0 – challenge and opportunity“ zeigten Experten, wie Offshore-Projekte digital gemanagt werden können. Das Zauberwort lautet „Remote Connection“ – also der ständige Zugriff auf sämtliche Datenerfassungssysteme des Schiffs. Dadurch lassen sich die schiffsseitigen Informationen mit den Daten an Land verknüpfen. „Hier kommen die Möglichkeiten von Big Data ins Spiel“, sagte Dr. Jann Peter Strand, Product Manager – Automation & Control bei Rolls Royce Marine. So lassen sich beispielsweise sämtliche für den Treibstoffverbrauch relevanten Daten der Flotte erfassen und auswerten – und anschließend gezielte Maßnahmen für eine effizientere Fahrweise treffen.

Was digitale Fernwartung bedeutet, erläuterte Juan Gallego, Remote Diagnostic Services Global Manager bei SKF. Gallego schilderte konkrete Fälle, in denen mit diesem Verfahren Fehlerquellen in Maschinenenteilen erkannt und behoben werden konnten.

Torsten Münsterberg vom Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen CML stellte ein Computermodell vor, das auf Basis digitaler Daten bei der Wirtschaftlichkeitsberechung von Offshore-Windprojekten hilft. Es zeigt, ob eine bemannte Plattform oder das Konzept mit einem Mutterschiff langfristig effizienter ist.

Ganz dem Thema Data Integrity und Cybersecurity widmete sich Kenneth Richardson, Executive Vice President Global Offshore bei ABS. Er veranschaulichte anhand eines Offshore-Projekts, in welchen Bereichen sensible und schützenswerte Datenströme entstehen. Das Klassifikationssunternehmen hat mit ABS CyberSafety™ ein Sicherheitsregelwerk entwickelt, das speziell auf die maritime Branche zugeschnitten ist.



Text & Bild: smm-hamburg.com

 

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