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gmec: Kräfte bündeln für eine „grünere“ Schifffahrt

29.09.2016

gmec: Kräfte bündeln für eine „grünere“ Schifffahrt

Beim vierten global maritime environmental congress (gmec) im Rahmen der SMM war das Who’s who der maritimen Branche vertreten. Diskutiert wurde, wie sich die Emissionen der Schifffahrt weiter reduzieren lassen. Besonders im Fokus: die Entwicklung alternativer Antriebssysteme und die intelligente Nutzung riesiger Datenmengen.

Die Ampel in der Schifffahrt steht auf grün. Am ersten Messetag der Weltleitmesse der maritimen Wirtschaft wurde Tacheles in Sachen Umwelt geredet. Harmful air emissions, Big Data, Green Propulsion: Beim gmec am 6. September 2016 hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich in einzelnen Panels ausführlich über diese Schwerpunktthemen zu informieren.

global maritime environmental congress

„Der Schutz der Umwelt sollte nicht nur für die maritime Branche ein zentraler Punkt sein, sondern für die ganze Welt“, sagte Keynote-Sprecher Arsenio A. Dominguez, Vorsitzender des Marine Environment Protection Committee der internationalen Schifffahrtsorganisation IMO. In seiner eindringlichen Rede machte er deutlich, dass die IMO einen Mittelweg zwischen umweltpolitischen Anliegen und wirtschaftlichen Erfordernissen gehe. Ziel sei es, bei den Regularien eine gemeinsame Linie zu finden. Dominguez appellierte hier ausdrücklich an die Kooperationsbereitschaft der Industrie: „Um diese globale Herausforderung zu meistern, müssen wir zusammenarbeiten, statt uns zu kritisieren.“

Ökologie aus Verantwortung
Tom Boardley, Executive Vice President von Lloyd’s Register, zeigte auf, welche Möglichkeiten es gibt, die immer strengeren Grenzwerte einzuhalten, und welche Herausforderungen dabei noch zu bewältigen sind. Kritisch bewertete David Dingle, CEO des Kreuzfahrtunternehmens Carnival UK, den bisherigen Stand der Technik: „Die Regularien sind oftmals fernab der Realität, da die technischen Lösungen nicht imstande sind, das zu leisten, was sie versprechen.“ Gleichzeitig nahm Dingle seine Branche in die Pflicht: „Die Kreuzfahrt-Industrie muss ein ökologischer Leader sein. Wir haben da eine große Verantwortung.“

Doch wer kontrolliert eigentlich auf hoher See, ob die Schiffe sich an die vorgeschrieben Grenzwerte halten? Bislang gab es hier noch viel Nachholbedarf, räumte Niels Bjørn Mortensen, Director Regulatory Affairs bei der weltgrößten Containerreederei Maersk, ein. Doch die Zeiten ändern sich. „Shipping Monitoring, Reporting, Verification (MRV) wird kommen“, sagte Guido Hartling, Lead Verifier & Managing Director bei ETS Verification. Ein erster Schritt ist hier der Beschluss der IMO, künftig alle Schiffe zur Erfassung ihrer CO2-Emissionen zu verpflichten. Reedereien sollen künftig Brennstoffverbrauch, zurückgelegte Seestrecke und die Betriebsstunden ihrer Einheiten über den Flaggenstaat zur Auswertung an die IMO in London übermitteln. Die EU-Kommission verfolgt noch ehrgeizigere Ziele.

Effizienztreiber Digitalisierung
Digitalisierung und „Big Data“ waren nicht nur bestimmende Themen auf der SMM, sondern standen auch im Fokus des zweiten gmec-Panels. Die Experten ließen keinen Zweifel daran, dass die Digitalisierung die Schifffahrt unaufhaltsam verändern – und vor allem verbessern – wird. Für Moderator Martin Stopford ist Big Data gar das zentrale Zukunftsthema der maritimen Industrie. Der langjährige Chef des maritimen Forschungs- und Beratungsunternehmens Clarkson Research skizzierte, wie die Digitalisierung die Branche voranbringt und welche Hürden es noch zu meistern gilt.

Als mögliche Engstelle gilt die Übertragung von großen Datenmengen zwischen der Flotte und dem Management an Land. Über die neuesten Entwicklungen berichtete Ronald Spithout, President bei Inmarsat Maritime, dessen Unternehmen auf diesem Gebiet führend ist.

Oskar Levander, Vice President Innovation bei Rolls-Royce Marine, hatte eine echte Zukunftsvision zu bieten: die autonome Schifffahrt. „Bereits in zehn Jahren werden die ersten unbemannten Schiffe über die Ozeane schippern“, so Levander. Da der menschliche Faktor auch immer eine Fehlerquelle ist, könnten Sicherheit und Umwelt davon profitieren. Datenerfassung, Vernetzung, Steuerung – doch wie können Reedereien die neuen Möglichkeiten effizient umsetzen? Klassifikationsgesellschaften seien hier der ideale Sparringspartner, so die Schiffbauingenieurin Kirsi Tikka, die als Executive Vice President Global Marine bei ABS auch für strategische Planung und Gemeinschaftsprojekte zuständig ist.

Rückenwind für neue Technologien
Das Thema Green Propulsion, dem auf der SMM die neue Messehalle A5 gewidmet war, stand im Mittelpunkt des dritten gmec-Panels. Gavin Allwright, Secretary International Windship Association (IWSA) lieferte einen kompakten Vortrag über die Vielseitigkeit von Windenergie – und worin deren Beitrag für eine grünere Schifffahrt bestehen könnte: „Es gibt noch viel Arbeit, aber wir kommen unserem Ziel, Schiffe mit erneuerbaren Energien anzutreiben, immer näher.“

Sauberer Schiffsantrieb: Damit hat Erik Lewenhaupt, Head of Sustainability bei Stena Line, Erfahrung: Die deutsch-schwedische Fährreederei betreibt die weltweit erste Fähre mit Methanol-Antrieb. Lewenhaupt kam zu dem Fazit, dass die Vorteile von alternativen Brennstoffen überwiegen. Dem schloss sich Knut Ørbeck-Nilssen, CEO Maritime von DNV GL, an. Trotz einiger Hindernisse habe etwa verflüssigtes Erdgas Zukunft: „LNG ist nicht die einzige Lösung, aber es hat ganz klar das Potenzial, zum relevantesten Brennstoff zu werden“, so Ørbeck- Nilssen. Schärfere Schwefelgrenzwerte, alternative Antriebe: Ian White, Global Marketing Manager bei ExxonMobil Marine, erläuterte, was die neuen Optionen für den praktischen Schiffbetrieb bedeuten und wie sich sauberes und effizientes Bunkern auch künftig gewährleisten lässt.

Christine Valentin, COO beim World Ocean Council, beleuchtete das Thema aus einer ganzheitlichen Perspektive: Denn maritimer Umweltschutz ist kein Selbstzweck, sondern dient der Sauberkeit der Ozeane – eines Lebensraumes von unschätzbarer Bedeutung. Auch Valentin würdigte die wichtige Rolle von technologischen Innovationen für eine nachhaltige Nutzung der Weltmeere.



Text & Bild: smm-hamburg.com

 

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